Die libertäre Psychotherapie von Friedrich Liebling

Eine Einführung in seine Großgruppentherapie anhand wortgetreuer Abschriften von Therapiesitzungen

1. Auflage
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September 24, 2025 | History

Die libertäre Psychotherapie von Friedrich Liebling

Eine Einführung in seine Großgruppentherapie anhand wortgetreuer Abschriften von Therapiesitzungen

1. Auflage

Für Friedrich Liebling (Augustowka/Galizien 1893 – Zürich 1982) war das umfassende psychische Massenelend auch der modernen Gesellschaften Anlass zu einem Wagnis: Er wollte die Psychologie aus dem Elfenbeinturm der Universitäten und Fachinstitute hinaus in die breite Öffentlichkeit tragen – weg von den elitären Sprechzimmern des gesellschaftlich unfruchtbaren und verkommenen Gewerbes der Psychotherapeuten und Ärzte, hin zu einem durchaus popularisierenden Engagement, das in aufklärerischer und emanzipatorischer Arbeit dem Menschen in psychischer Not, Eltern und Erziehern, ebenso wie dem politisch Engagierten, konkrete Instrumente an die Hand gibt: das „Werkzeug der Psychologie“.

Es war stets das Anliegen Lieblings, dass Psychotherapie nicht nur eine teure Kur für Privilegierte bleiben sollte, sondern allen, unabhängig von ihren finanziellen und sozialen Verhältnissen zugänglich sein sollte. Darüber hinaus sollte sie, wie er sich ausdrückte „lehr- und lernbar“ werden. So begann er anfangs der 50er-Jahre in Zürich, wohin ihn die Flucht vor dem 3. Reich geführt hatte, auf der Grundlage seiner Wiener Erfahrungen im anarchistischen Arbeiterbildungsverein um Pierre Ramus und in den Erziehungsberatungsstellen und Arbeitsgruppen des Kreises um Alfred Adler, mit der Gruppentherapie zu experimentieren, die damals noch nicht über erste schüchterne Versuche (Moreno, Slawson, später Rogers) hinausgekommen war.

In Lieblings Psychologischer Lehr- und Beratungsstelle waren jede und jeder willkommen, sich als gleichwertige Gesprächspartner mit Fragen der Psychologie auseinanderzusetzen und persönlich-individuelle Probleme sowohl in lebensgeschicht-lich-individualpsychologischen als auch gesellschaftlich-historischen Zusammenhängen verstehen zu lernen. Die psychotherapeutische Arbeit auf diesen Grundlagen zeitigte beeindruckende Erfolge, was mehr und mehr Menschen anzog. In der Aufbruchstimmung der 70er-Jahre nahm die "Zürcher Schule", wie man sich nun auch nannte, die Dimensionen einer "Bewegung" an und entwickelte sich zu einer eigentlichen psychologischen Volksuniversität, wo in mehr als 100 frei sich bildenden großen und kleinen Gruppen alle erdenklichen Themen des menschlichen Zusammenlebens erörtert wurden. Als Liebling 1982 starb, waren mehr als 3000 Menschen aus dem ganzen deutschen Sprachraum mit der "Zürcher Schule für Psychotherapie" assoziiert – zahlreiche lokale Gruppen hatten sich gebildet – ein weit verzweigtes psychologisches Netzwerk war entstanden. Würde es Liebling überdauern?

Die Volksuniversität Friedrich Lieblings existiert nicht mehr. Es wäre eine Arbeit für sich, die Geschichte der Zeit nach Liebling zu schreiben. Es werden sich andere finden, mit größerer Neigung zur Tragödie oder zum Sozialroman, sie zu erzählen. Es reicht hinzuzufügen, dass wenn 20 Jahre nach Lieblings Tod in den Häusern seiner Stiftung eine Organisation sitzt, die sich im Dunstkreis der antikommunistischen, klerikalen und fremdenfeindlichen Rechten bewegt, diese nichts, aber auch gar nichts zu tun hat mit dem Geist und dem Werk Friedrich Lieblings, welchen Namen sie sich auch immer geben mag.

(Quelle: Edition AV)

Publish Date
Publisher
Edition AV
Language
German
Pages
241

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Book Details


Table of Contents

Vorwort
Page 9
I. Friedrich Liebling: Person, Psychotherapeut, Forscher und Freiheitlicher – ein biografischer Überblick
Page 13
Familie und Jugend
Page 14
Erster Weltkrieg, das »Rote Wien«
Page 14
Exkurs: Pierre Ramus
Page 15
Exkurs: Alfred Adler
Page 20
Im »Schwarzen Wien«
Page 28
Im Schaffhauser Exil
Page 31
Psychotherapeut in Zürich
Page 33
Öffnung der Praxis
Page 38
II. Die Stellung Lieblings innerhalb der Tiefenpsychologie
Page 45
Philosophischer Materialismus
Page 46
Anarchistische Anthropologie
Page 47
Psychologisches Menschenbild
Page 49
Religion und Autoritarismus
Page 55
Das Werk Lieblings
Page 62
Einleitung zu den Abschriften
Page 63
1. Angst
Page 64
Angst, Angst vor dem Menschen, Überwindung der Angst in der Psychotherapie (Originalton auf CD)
Angst vor dem Menschen (Originalton auf CD)
Angst vor Kindern
2. Liebe und Sexualität
Page 81
Moral
Zur Frigidität (Originalton auf CD)
Fragen zur Homosexualität
3. Erziehung
Page 97
Vater und Stiefmutter besprechen die Probleme mit ihren jugendlichen Kindern
Spiel und Arbeit
4. Lebensprobleme
Page 115
Das Verhalten des Eifersüchtigen
Zur Therapie des Lernproblems
5. Psychologie und Psychiatrie
Page 132
Psychologie der Gewalt
Vorschlag sich »Zürcher Schule« zu nennen (Originalton auf CD)
Zum Stand von Psychologie und Psychiatrie
Konflikt einiger Berliner Teilnehmer mit Josef Rattner
Einführungen zu den Zehnergruppen
6. Psychologie und Politik
Page 171
Libertäre Psychologie und herkömmliche Psychologie
Soziales Problem und Religion
Nur die Freiwilligkeit!
Keinen wählen!
Niemandem die Macht geben!
Nachwort des Herausgebers: Eine Jugend in der Gruppe
Page 220
Literaturverzeichnis
Page 225
Namensverzeichnis
Page 238

Edition Notes

Published in
Lich, Germany

Contributors

Editor
Moritz Grasenack

The Physical Object

Format
Paperback
Pagination
241p.
Number of pages
241
Dimensions
21 x x centimeters
Weight
300 grams

Edition Identifiers

Open Library
OL26413208M
ISBN 10
3936049513
ISBN 13
9783936049510
OCLC/WorldCat
265932080
Deutsche National Bibliothek
976469235
Google
dTrsAAAACAAJ
BookBrainz
1edff868-85ef-4d8e-bfdc-65ae45af4550
Goodreads
101702341

Work Identifiers

Work ID
OL17824705W

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